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Der Abenteurer von heute: Indiana Jones vs. Lara Croft

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Wenn du das Wort Abenteurer hörst, denkst du bestimmt an einen bärtigen Typen, der mit einem Rucksack und einem Schweizer Taschenmesser bewaffnet ist und gerade eine Woche lang auf eigene Faust gelebt hat, oder? Eine Art Indiana Jones, nur ohne versteckten Schatz.

Aber hast du dich nicht schon einmal gefragt, warum?

Warum wird dieses Bild eines Abenteurers, der den Gefahren trotzt und das Abenteuer liebt, direkt einem Mann zugeschrieben?

Immerhin ist auch Lara Croft eine Abenteurerin.
 

Abenteurer vs. Schatzsucher und Entdecker

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Wenn ich von einem Abenteurer spreche, meine ich damit nicht unbedingt einen Schatzsucher oder Entdecker. Die gibt es in fiktiven Filmen und sie werden immer als sehr starke und einfallsreiche Charaktere dargestellt, die auf der Suche nach einem Schatz sind, wobei die Handlung des Films meist übertrieben ist und die Schatzsucher kommen am Ende immer wieder davon. Aber wenn man sich einen echten Abenteurer anschaut, muss er noch lange kein Schatzsucher oder Entdecker sein. 

Natürlich gibt es diese Menschen, die auf der Suche nach einem Schatz sind und die Welt anhand von Karten und Spuren aller Art erkunden, auch in der Realität. Diese Personen sind eher Schatzsucher als Abenteurer, auch wenn sie natürlich Ähnlichkeit mit beiden haben können.

Sie müssen sich jedoch nicht inmitten einer verlorenen Stadt wiederfinden, um die Reise zu genießen.

Der Abenteurer ist nicht unbedingt ein abgehärteter Entdecker, aber er hat doch Gründe, die ihn zum Reisen veranlassen und erlebt dabei sein eigenes Abenteuer.


Das Bild des Abenteurers, ein alter Archetyp

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Spricht man von Stärke, Mut oder sogar Heldentum, so werden diese Attribute seit jeher männlichen Charakteren zugeschrieben. Der Stereotyp des starken Mannes, der allen Gefahren trotzt, um eine schöne Frau in Not zu retten. Der Abenteurer oder der Held, der die Stadt vor einer drohenden Gefahr rettet und dem anschließend alle für seine Tapferkeit danken.

Selbst wenn man sich die Realität ansieht, stellt man fest, dass auch heute noch überwiegend Männer für Ordnungskräfte wie das Militär oder die Feuerwehr arbeiten.

Eine mutige Tat, eine abenteuerliche und gefährliche Reise durch ein Land – das kann nur ein Mann vollbringen.

Diese Vorstellung hat sich vor langer Zeit in die Köpfe der Menschen eingeschlichen, auch unterstützt durch die Popkultur. Und das wird auch unabsichtlich an Jüngere weitergegeben.

Betrachten wir unseren geliebten Indiana Jones: ein moderner Mann, ein durchschnittlicher Lehrer, in dem sich ein wahrer Abenteurer verbirgt. Hier haben wir es wieder einmal mit dem Bild eines Mannes zu tun, der mit Stärke und Einfallsreichtum in Verbindung gebracht wird. Das ist auch der Grund, warum diese Figur bis heute viele Männer und Jungen inspiriert.

Leider ist das einzige Frauenbild, das in diesen Filmen gezeichnet wird, das einer Frau, die der Abenteurer retten muss, da sie sich nicht selbst retten kann. Jones ist der starke Mann, der da ist, um den Schaden zu beheben, die Zivilisation zu retten und dabei ein oder zwei Frauen unsterblich in sich verliebt zu machen. Die Frau dient nur als Trophäe.

Abgesehen von den Filmen, mit denen sich junge Mädchen nur schwer identifizieren können, machen auch die Spiele und Spielzeuge, die von Indiana Jones verkauft werden, die Sache nicht einfacher. Ein Abenteurer-Hut, ein Messer am Gürtel und sogar eine Peitsche, um sich gegen seine Gegner zur Wehr zu setzen – die perfekte Ausrüstung für einen Abenteurer. Nur ist die Werbung wieder einmal auf Jungen zugeschnitten und ermöglicht es Mädchen nicht, sich in der Figur wiederzufinden. 

Es ist bedauerlich, dass jungen Mädchen dadurch ein bestimmter Platz in der Gesellschaft zugewiesen wird, und die Entscheidungen, über das, was sie tun oder nicht tun können, werden limitiert.  

Du denkst jetzt vielleicht, dass das keine Rolle spielt, aber wenn dir deine ganze Kindheit lang gesagt wurde, dass diese Spielzeuge für Abenteurer nichts für dich sind, dass das etwas für Jungen ist, würdest du dann überhaupt auf die Idee kommen, später selbst einer zu werden?

Abgesehen von dem armen alten Jones, auf dem ich vielleicht ein wenig herumgehackt habe, sind auch die Abenteurer, Backpacker und Entdecker in Filmen wie Into the Wild, 127 Hours oder Crocodile Dundee alle männlich. Und sie demonstrieren ihre Stärke und Männlichkeit durch die Abenteuer, die sie erleben.

Wird es der Gesellschaft irgendwann gelingen, die Stereotype des starken Mannes und der ständig hilfsbedürftigen Frau zu durchbrechen?


Eine Gesellschaft im Wandel?

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Seit einiger Zeit versucht die Gesellschaft, Frauen wieder stärker hervorzuheben und sie gleichauf mit den Abenteurern zu stellen, die allseits bekannt sind. Leider waren die ersten Versuche nicht sehr erfolgreich, wie zum Beispiel mit der Lara Croft aus den Videospielen, einer großen Abenteurerin, die 2001 von Angelina Jolie in dem gleichnamigen Film verkörpert wurde. Zwar ist die Idee, eine starke Frau zu schaffen, vorhanden, aber die hypersexualisierte Darstellung mit großen Brüsten und einem Traumkörper trägt nicht gerade dazu bei, dass Frauen sich mit der Figur identifizieren. 

Auch hier ist die Figur nicht wirklich für Frauen gedacht, sondern eher dafür, Männern zu gefallen ...

Ähnlich verhält es sich mit Filmen über Reisen. Vielleicht weißt du, dass Into the Wild nicht der einzige Film ist, der von den Erfahrungen eines Backpackers berichtet. In den Jahren 2013 und 2014 erschienen die Filme Tracks und Wild. Sie erzählen die Geschichte einer Backpackerin, die sich auf ein Abenteuer begeben hat, die eine allein und die andere mit Reisegefährten. Nur waren diese Filme trotz der beeindruckenden Reisen nicht so erfolgreich, wie wenn sie von einem Mann erzählt worden wären.

Aber wie heißt es so schön: Man lernt aus seinen Fehlern. Wir sehen, dass unsere Gesellschaft wächst und versucht, die Frau als gleichwertigen Partner für den Mann zu etablieren, der genauso viel leisten kann wie er, denn das ist der Fall. Das macht sich sowohl in der Filmindustrie als auch in der Werbung bemerkbar, denn das, was wir jungen Mädchen beibringen, wird hinterfragt und das zahlt sich aus.

Nehmen wir als Beispiel den neuen Lara-Croft-Film aus dem Jahr 2018: Lara Croft ist eine gewöhnliche junge Frau, die den Gefahren trotzt, ohne dabei allzu sexualisiert zu werden. Junge Mädchen können sich so mehr mit ihr, ihrer Geschichte und dem Mut, den sie unter Beweis stellt, identifizieren.

Auch Spielzeug ist immer weniger geschlechtsspezifisch, auch wenn es hier noch Verbesserungsbedarf gibt. Das mag aus wirtschaftlicher Sicht als strategisch wirken, aber wir sollten niemandem die Schuld dafür geben, dass er endlich einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung macht. Wenn Unternehmen offen dafür sind, können sie eine neue Zielgruppe erreichen, die nur darauf wartet, beachtet zu werden.

Die Gesellschaft entwickelt sich weiter, ebenso wie die Sitten und die Popkultur. Diesmal wollen die Frauen anders wahrgenommen werden. Sie sind nicht länger die, die gerettet werden müssen, sie sind nicht länger bloße Nebenfiguren oder Trophäen. Frauen stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Eigentlich taten sie das schon immer, aber jetzt ist es an der Zeit, darüber zu sprechen. 

Es ist an der Zeit, den Männern zu zeigen, dass Frauen ihnen ebenbürtig sind und dass auch sie große Abenteurer sein können. 

Also, Jones, bist du bereit, deinen Platz zu räumen?


Und morgen?

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Oder sollte ich sagen: Und heute?... Denn unser Morgen entsteht heute und hat bereits begonnen, sich zu verändern.

Heute brauchen wir keine Gadgets mehr, keine verbotene Stadt. Roadtrips, Couchsurfing und Soloreisen, egal aus welchem Grund oder zu welchem Zweck, machen dich zu einem Abenteurer. 

Der Abenteurer von heute bist du. Egal, ob du 20, 40 oder 70 Jahre alt bist, lieber im Hotel übernachtest als bei Einheimischen oder lieber mit Freundinnen unterwegs bist – du kennst deine Wünsche und verfolgst sie mutig.

Denn heute sind es mehrheitlich Frauen und nicht Männer, die alleine reisen, 60% von ihnen lassen sich auf das Abenteuer ein. Laut einer Studie waren zwischen 2015 und 2017 doppelt so viele Frauen wie Männer allein unterwegs. Diese Zahlen klingen nach nicht viel, beweisen aber dennoch einen großen Wandel in den Köpfen aller, aber vor allem in Bezug auf Frauen.

Es wurden Gruppen zur Unterstützung von Soloreisen als Frau gegründet, Plattformen für sicheres Couchsurfing eingerichtet und Hashtags in den Sozialen Netzwerken verwendet, um das Soloreisen als Frau zu einer großen Bewegung zu machen. Die Geschichten anderer sind inspirierend und sorgen dafür, dass Frauen keine Angst mehr davor haben, sich alleine auf Abenteuer zu begeben. Sie beweisen der Welt, aber vor allem sich selbst, welche Kraft in ihnen steckt. 

Viele beginnen sogar, Blogs mit ihren Reiseberichten zu erstellen, um Frauen, die sich nicht trauen alleine zu reisen, zu inspirieren. Auf den Blogs erklären sie, wie man als Frau alleine reist, geben Reisetipps oder berichten von ihren Erfahrungen nach einer erlebnisreichen Reise in Bulgarien beispielsweise.

Sie prangern auch den Sexismus an, dem sie auf Soloreisen ausgesetzt sind, berichten von Problemen, die sie auf einigen Couchsurfing-Plattformen hatten und den abfälligen Bemerkungen, die sie sich anhören müssen, aber sie teilen auch ihre Sicherheitsregeln für einen Roadtrip. Einige sprechen sogar über die Gewalt gegen Frauen in der Welt und betrachten das Alleinreisen als einen Ausweg aus dieser Situation.

Die Abenteurerinnen von heute übernehmen die Macht, entscheiden, wo und wie sie reisen wollen. Sie inspirieren, emanzipieren sich, vergessen ihre mentale Belastung  und leben ihr Leben in vollen Zügen, ohne dass ihnen ein Mann sagt, was sie tun sollen oder wie sie es tun sollen. Die Abenteurerinnen von heute sind all diese Frauen, die sich für das Reisen entscheiden, diese Frauen, zu denen du vielleicht auch gehörst und die Indiana Jones oder Lara Croft in nichts nachstehen… Frauen wie Patricia.

Wir sind auf dem richtigen Weg, die Frau erobert sich ihre Rechte zurück, ihr Platz wird neu verhandelt. Es sind diese kleinen Schritte, die zu einem großen Schritt werden, also sollten wir uns für die Gegenwart, aber auch für alle zukünftigen Generationen weiter emanzipieren, damit die Mädchen von morgen sich nicht einmal mehr die Frage stellen müssen, wohin oder wie sie reisen sollen. 

Damit wir uns nicht mehr fragen müssen, ob wir sicher sind oder nicht. 

Lasst uns frei sein, die zu sein, die wir sein wollen, dieser Abenteurer, diese Abenteurerin, und dorthin zu gehen, wohin wir wollen, ohne uns zu hinterfragen.



Übersetzt aus dem Französischen von Friederike Fest

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